Über uns

Es war in der schweren Zeit nach dem 1. Weltkrieg, als einige Mitglieder des damaligen Kriegsbeschädigten- und Kriegshinterbliebenenvereins Quierschied die Initiative zur Gründung eines Theatervereins ergriffen. Neben der Wiederbelebung der örtlich-kulturellen Belange stand der Gedanke im Vordergrund, den Reinerlös der Aufführungen den Notleidenden zur Verfügung zu stellen.

Die Gründungsversammlung wurde von Johann Quinten, Johann Hoffmann und Peter Keller für den 16. Mai 1920 im Lokal Högel einberufen. Die dort anwesenden sieben Frauen und dreißig Männer beschlossen eine Satzung, in der als Zweck der Aufführungen des Vereins die soziale Fürsorge verankert wurde. Entsprechend gab man sich den Namen “Wohltätigkeitsbühne”.


Zum 1. Vorsitzenden wurde Johann Quinten gewählt, der den jungen Verein sicher über die Anfangsschwierigkeiten brachte. Bereits das erste Stück, das Schauspiel “Mutter und Sohn”, war erfolgreicher Ansporn für weitere Aufführungen von Schauspielen, Operetten und Dramen, die alle wiederholt werden mussten. Nicht nur alle Bevölkerungsschichten Quierschied’s unterstützten die Arbeit des aufstrebenden Vereins. Seine überörtliche Bekanntheit fand in der Tatsache Ausdruck, dass die damalige Dachorganisation “Der Theaterbund des Saargebietes” dem Verein die Durchführung des ersten saarländischen Kostümfestes am 6. und 7. Juni 1925 übertrug.

Nach dem großen Erfolg dieses überregionalen Festes auf dem Sportplatz Franzenhaus folgten drei Jahre später weitere Höhepunkte der frühen Vereinsgeschichte der “Wohltätigkeitsbühne”. In Verbindung mit dem damals bestehenden Theaterverein “Glashütte” führte die “Wohltätigkeitsbühne” im Jahre 1928 das Schauspiel “Andreas Hofer” mit insgesamt 80 Mitwirkenden als Freilichttheater in der Wolfsschlucht auf. Das Stück musste aufgrund des großen Publikumszuspruchs mehrere Male wiederholt werden. Andere Freilichtaufführungen folgten. Ebenfalls im Jahre 1928 veranstaltete der Theaterverein einen großen Theaterwettstreit in Quierschied, an dem nicht weniger als 21 Vereine teilnahmen.

Von 1920 bis 1935 stand Johann Quinten an der Spitze des Vereins – abgesehen von einer zweijährigen Unterbrechung, in der Eduard Seel, Peter Brill und Nikolaus Dingert sich in der Führung ablösten. Im Jahre 1935 wurde Johann Houy zum Vorsitzenden gewählt, der den Verein mit Umsicht durch die schwierigen Zeiten des Nationalsozialismus bis 1944 brachte. 1935 wehrte sich die Vereinsführung gegen die Gleichschaltung in einer NS-Kulturgemeinde und die damit drohende Auflösung des Vereins. Zwischen dem Vereinsgründer und der NS-Führung kam es zu ernsthaften Spannungen. Man drohte ihm sogar mit der Inhaftierung. Doch es wendete sich zum Guten. Das Intrigenspiel wurde bald erkannt und die Wohltätigkeitsbühne durfte weiterhin tätig sein. Lediglich eine Umbenennung erfolgte in “Volksbühne”.

Gegen Ende des 2. Weltkrieges wurden nach dem Einzug der alliierten Truppen alle bestehenden Vereine aufgelöst. Als bald darauf Anträge zur Wiederaufnahme der Vereinstätigkeit gestellt werden durften, wurde der Verein auf maßgebliche Initiative von Albert Burgard wieder aktiv. 1947 wurden alle kulturschaffenden Vereine zu einer Kulturgemeinde unter dem Namen “Vereinigung der Kunstfreunde” zusammengefasst.

Unter dem Vorsitz von Albert Burgard führte die Sparte “Theater” 1947 das Schauspiel “Über Land und Meer” auf. Die Spielleitung hatte damals A. Seel. 1948 folgte der Schwank “Hurra, ein Junge” von Arnold/Bach und das Drama “Das Kreuz’l am Tannenwald” (Spielleitung Paul Prinz). Im selben Jahr traten auch die beiden anderen Sparten “Gesang” und “Musik” wieder an die Öffentlichkeit. Die erste Freilichtaufführung nach dem Kriege sollte auch die bisher letzte sein. Im Jahre 1949 wurde aus Anlass der 950-Jahrfeier das historische Schauspiel eines Quierschieder Bürgers “Ewig junge Heimaterde” in der “Sandkaul” mit großem Erfolg aufgeführt. Aufgrund der nicht mehr zu bewältigenden Anforderungen wurden die Freilichtaufführungen dann eingestellt.

Die Sparte “Theater” machte sich nach Verabschiedung des neuen Vereinsgesetzes im Jahre 1950 sofort selbständig. Der neue Verein nahm seinen früheren Namen “Wohltätigkeitsbühne”, verbunden mit der entsprechenden Zielsetzung, wieder an und trat dem Saarländischen Volksbühnenbund kurz nach dessen Gründung im Jahre 1951 bei.

Nachdem sich der Verein besonders mit Singspielen und Operetten einen guten Ruf erworben hatte, gab es ab 1952 immer größere Probleme mit der unzulänglichen Bühneneinrichtung im Saal “Pitz”. Die Initiative des Quierschieder Turnvereins, eine Turnhalle mit moderner Bühne zu bauen, gab dem Verein neuen Auftrieb. Dank der Unterstützung der Gemeinde und der Regierung wurde es ihm möglich gemacht, eine wirkungsvolle Bühnenausstattung anzuschaffen. Die erste Großveranstaltung auf der neuen Bühne fand im September 1955 mit dem Bezirkstag des SVB statt. In diesem Jahr übernahmen Heinz Glauben den Vereinsvorsitz, Heinrich Spaniol und Edmund Graß die Spielleitung.

Von Seiten der Vereinsführung war man bestrebt, einem jüngeren Vorstand das Vertrauen für die Vereinsleitung entgegen zu bringen. Heinz Glauben führte den Verein 6 Jahre lang bis 1971. Auf ihn folgten Nikolaus Jochum (1971), Hubert Stiittgen (1972 – 1980), Heinrich Spaniol (1980 – 1984) Edmund Graß (1984 – 1989) und Stefan Graß (1989 – 1994). Seit der Generalversammlung 1994 führt, mit viel Umsicht, Karl Kessler den Verein.

Als Spielleiter nach dem 2. Weltkrieg seien folgende Damen und Herren zu nennen: Arnold Seel, Albert Prinz, Paul Prinz, Otto Werber, Michel Hoffmann, Josef Sellgrad, Heinrich Spaniol, Edmund Graß, Anni Zimmer, Ruth Müller, Harald Prinz, Günter Schneider, Stefan Graß und bis heute Christoph Graß.

Auch in den 50er Jahren lag ein Schwerpunkt der Vereinstätigkeit auf Singspielen wie “Die Mühle im Schwarzwald” und Operetten-Querschnitten (”Maske in Blau”, “Blume von Hawaii”). Daneben pflegte man vor allem Lustspiele und Schwänke.

Weitere Höhepunkte stellten die 1958 und 1968 durch die “Wohltätigkeitsbühne” durchgeführten Bundestage des Saarländischen Volksbühnenbundes dar. Zu diesem Treffen der Laienspieler kamen Volksbühnenfreunde aus dem ganzen Saarland, der Bundesrepublik und aus dem benachbarten Ausland. Die Zeichen der Zeit in Gestalt des Fernsehens und sich änderndem Freizeitverhalten machten sich Anfang der 60er Jahre auch bei der “Wohltätigkeitsbühne” bemerkbar. So musste Vorsitzender Glauben 1960 feststellen, dass das Laienspiel in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung verloren habe. Der Besuch der Veranstaltungen lasse zu wünschen übrig, so dass der Verein für die Zukunft vor schweren Aufgaben stehe. Er regte eine Umstellung der Art der Veranstaltungen an.

Bereits ein Jahr vorher hatte man begonnen, mit Rezitationsabenden neue Wege zu beschreiten. Letztendlich verstand es der Verein, sich auch in den schwierigen Zeiten einen Zuschauerstamm bis heute zu erhalten. Bis Mitte der 7Oer Jahre erreichte man dies vor allem auch durch Benefizveranstaltungen, deren Erlös caritativen Einrichtungen gespendet wurden. Hinzu kam, dass man sich frühzeitig um die Nachwuchspflege kümmerte. Seit 1964 war eine Jugendgruppe aufgebaut worden, die mit dem Weihnachtsspiel “Mutters Christgeschenk” zum erstenmal auftrat. Die Jugendlichen wurden bis heute geleitet von Albert Wüschner, Heinrich Scholtes, Ruth Müller, Hanne Andres, Edmund Graß, Martina Graß, Claudia Zimmer, Hans-Günther Schneider, Stefan Graß und Markus Bastian.

Seit den 60er Jahren liegt das Schwergewicht des Spielplans auf den Spielgattungen Lustspiel und Schwank. Das ist bis heute so geblieben. Das Publikum soll locker-leicht unterhalten werden. Selbstverständlich, dass auch die Mundart gepflegt wird. Solche Aufführungen kommen besonders gut an, bieten sie doch Gelegenheit zur Anwendung typischer Lokalbegriffe, die jeder kennt. An abendfüllenden Stücken der 60er Jahre seien erwähnt: “Wovon die Menschen leben”, “Stille Nacht – Heilige Nacht” sowie die Lustspiele “Pünktchen und Anton” von E. Kästner, “Der Etappenhase” und “Familie Hannemann”. In den 70er Jahren folgten “Der Meisterboxer”, “Der doppelte Moritz”, “Der Todeskandidat”, “Der Sprung in die Ehe”, “Der Meisterlügner” und “Meine Frau ist gleichberechtigt”. Aus dem Spielplan der 80er Jahre seien “Mädchen sind nur halbe Engel”, “Uschi”, “Flitterwochen”, “Boeing – Boeing”, “Herztropfen” und “Die Schlafkrankheit” herausgegriffen. Hinzu kommen über 30 Einakterinszenierungen seit 1955, wobei vor allem Hans Sachs ein bevorzugt gespielter Autor war. Der Verein begründet dies mit dem Reiz des Reimes und der auch heute noch zutreffenden Moral dieser Stücke, die sich außerdem besonders gut für Jugendgruppen eignen. Die über 100 Aufführungen seit 1955 wurden im Durchschnitt von 250 bis 300 Zuschauern besucht.

Die “Wohltätigkeitsbühne” konnte im ersten Jahrzehnt ihrer Geschichte fast 200 Mitglieder aufweisen. Bis 1955 hatte sich diese Zahl auf 70 verringert. Ab 1956 war die Mitgliederzahl, bedingt durch Todesfälle und größeres Freizeitangebot (Sportvereine, Musikvereine etc.) weiter rückläufig und betrug 1960 nur mehr 40 Personen. Der Verein konnte diese Entwicklung jedoch aufhalten und die Zahl auf den heutigen Stand von 88 Mitliedern bringen. Außerdem kommen noch zwölf Kinder und Jugendliche hinzu. Zusammen mit den Vorstandsmitgliedern sind gegenwärtig 20 Mitglieder aktiv. Bei den Aktiven handelt es sich um Schlosser, Meister, Versicherungsangestellte, Ingenieure, Angestellte, Sekretärinnen und Hausfrauen. In der Altersstruktur liegt man zwischen 18 und 68 Jahren. Außer den bereits erwähnten Vorsitzenden und Spielleitern nennt der Verein noch folgende verdienstvolle Persönlichkeiten: Nikolaus Laub, Nikolaus Kurz, Wilhelm Nauerz, Johann Aatz, Nikolaus Hoffmann, Arnold Seel, Albert Prinz und Edmund Graß.

Die “Wohltätigkeitsbühne” hat stets ihrer im Vereinsnamen dokumentierten caritativen Verpflichtung Rechnung getragen. Standen nach den beiden Weltkriegen zunächst die Linderung der Folgen im Vordergrund, so hat der Verein danach sein soziales Engagement Altenheimen, Waisenhäusern, Kindergarten, der Kirche und auch der Feuerwehr gewidmet, Auch die “Aktion Sorgenkind” wurde unterstützt. Selbst als vor etlichen Jahren der Antrag gestellt wurde, den “antiquierten” Vereinsnamen abzulegen, fand dies bei den Mitgliedern keine Mehrheit.

Gestaltung von Veranstaltungen anderer Vereine gehörten stets ebenso zum Programm des Vereins. Wie die Durchführung eines traditionellen Maskenballs, Bunter Abende und Vereinsfahrten. Besonders gute Kontakte hat man zur Laienbühne Quierschied und zu “Saargold” Fischbach. Neben gemeinsamen Teilnahmen an den Quierschieder Kulturtagen hilft man sich gegenseitig auch mit dem Tausch von Utensilien aus. 

Im Rückblick zählt der Verein vor allem die Jahre von der Gründung bis zum 2. Weltkrieg und nach Kriegsende bis Anfang der 60er Jahre zu den besonders guten Zeiträumen, weil die Leute damals einen sehr großen Nachholbedarf im Bereich der Unterhaltung hatten. Waren in diesen Zeiträumen besonders Operetten und Singspiele die Renner, so sind es heute die Lustspiele. Als beste Aufführungen werden folgende Stücke genannt: “Der Etappenhase”, “Der Meisterboxer”, “Der doppelte Moritz”, “Hurra, ein Junge”, “Boeing – Boeing”, “Herztropfen”, “Die Schlafkrankheit”. An ernsten Stücken zählt man “Dialog am Fenster”, “Stille Nacht – Heilige Nacht” und “Kinder einer Erde” zu den spielerisch besten. Gleich welcher Art also die besten Erfolge waren, stets waren es die Bühnenakteure, die sie zu Erfolgen machten. Im Hinblick auf die Zukunft hat sich die “Wohltätigkeitsbühne” folgende Ziele gesetzt: Erhaltung bzw. Verbesserung des Spielniveaus, Steigerung der Anzahl aktiver Mitglieder und der Jugendgruppe, Beibehaltung des familiären Charakters innerhalb des Vereins, Zufriedenstellung unseres Publikums.